Chronik

Vom Ping-Pong zum Tischtennis

Vor mehr als 50 Jahren wurden sie belächelt, die „Ping-Pong-Strategen“ der Rhenania, die im Keller des Jugendheimes an der Brabanterstraße erste „Gehversuche“ unternahmen. Heute zollt man der Tischtennis-Abteilung, die mit 160 Aktiven und 16 Mannschaften quantitativ und qualitativ bedeutendster Fachbereich der DJK Kleve ist, Anerkennung und Bewunderung.

Blenden wir noch einmal ins Jahr 1953 zurück. Franz Sevens, erster Tischtennis-Obmann, und eine schar sportbegeisterter junger Männer, zu denen unter anderem Roland Evrad, Albert Westerfeld, Ernst Welke, Erich Nuy, Rudi Senger und Norbert Risch gehörten, schloss Bekanntschaft mit dem weißen Zelluloidball, der in den kommenden Jahren ein ständiger Begleiter der lupenreinen Amateure werden sollte.

Angefangen hatte alles im Jugendheim der Christus-König-Pfarre, wo sich aus einer Hobbygruppe der Stamm der Tischtennis-Abteilung bildete. Am 23. April 1953 wurde sie bereits in den Westdeutschen Tischtennis-Verband (WTTV) aufgenommen. Als vorläufigen Trainingsraum wählte man den Saal der Gaststätte „Haus Waldeck“ aus. Die Verhältnisse waren hier allerdings alles andere als ideal. Löcher im Fußboden und Pfeiler zwischen den Platten veranlassten die Verantwortlichen schon bald, bessere Trainingsmöglichkeiten auszukundschaften. Bevor jedoch 1954 in die ehemalige Christus-König-Notkirche umgezogen wurde, ging schon der erste Klubkampf über das Parkett der „Waldeck-Arena“. Gegner war damals TTC Grün-Weiß Brienen.

An häufigen Tapetenwechsel mussten sich die Mitglieder der Tischtennis-Abteilung in den Gründerjahren gewöhnen. Bevor sie 1961 für nahezu 15 Jahre in der Turnhalle der Christus-König-Schule ein Zuhause fanden, hatten sie mit der Turnhalle des Gymnasiums und der alten Volksschule in Materborn zwei weitere Durchgangsstationen hinter sich gebracht. Obmann war zu dieser Zeit Rudi Senger.

Die Tischtennis-Begeisterung schien keine Grenzen zu kennen, denn schon nach relativ kurzer Zeit tummelten sich fast 100 Aktive auf den Trainingsabenden. Auch die sportliche Bilanz konnte sich sehen lassen, da die Herrenmannschaft von 1959 bis 1963 der Bezirksklasse angehörte. Unter dem Kommando von Erich Nuy, der 1961 für elf Jahre die Leitung der Abteilung übernahm, gab es wie in jedem Verein Höhen und Tiefen, die in Auf- und Abstieg, Zu- und Abgängen ihren Niederschlag fanden. Nach einjährigem Gastspiel von Walter Hans als Obmann übernahm Norbert Risch 1973 die Leitung der „Zelluloidball-Artisten“. Sein Nachfolger wurde Walter Hans, ehe Helmut Vehreschild 1987 ans Ruder kam, der bis heute Abteilungsleiter ist.

Zum Aushängeschild der Abteilung avancierte schon relativ kurze Zeit nach ihrer Gründung die 1973 ins Leben gerufene Schülergruppe. Ehrgeiz und enormer Trainingseifer führten die Schützlinge von Schülerobmann Helmut Vehreschild bald an die Spitze des Kreises Kleve. Ein erster Höhepunkt wurde 1977 erreicht, als die erste Schülermannschaft nach der Kreismeisterschaft auch den Bezirkstitel (der erste von vielen in den vergangenen 28 Jahren) in die Schwanenstadt holte. Erst auf westdeutscher Ebene in Esch mussten sich die jungen Rhenanen Rainer Dußling, Volker Risch, Thomas Willemsen und Volker Schmidt geschlagen geben. Der 14. März 1981 war ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Durch den 9:7-Erfolg über den jahrelangen Dauer-Rivalen TTC Kapellen vor einer Rekordkulisse wurde die erste Jugend mit Rainer Dußling, Volker Risch, Thomas Willemsen, Volker Schmidt, Frank Kannenberg und Klaus Evers erstmals Meister der Bezirksklasse, damals höchste Jugendklasse und qualifizierte sich für die Westdeutschen Meisterschaften. Spätere Jugendgenerationen spielten viele Jahre in der Verbandsliga, der bis heute höchsten Jugendklasse in Nordrhein-Westfalen.

Seit dem Umzug in die Turnhalle der Sonderschule im Dezember 1977 existiert bei der Rhenania eine Schülerinnen- und Mädchenabteilung, für die zu Beginn Arno Zeitz und Kurt Koch verantwortlich zeichneten. Zu dieser Zeit konnte wohl niemand ahnen, dass die Rhenania in Sachen weiblicher Nachwuchs über mehr als zwei Jahrzehnte bis zum heutigen Tage im Westdeutschen Tischtennis-Verband eine dominierende Rolle spielen würde. Erstmals waren die DJK-Mädchen 1981 im Quartett der vier besten Mädchenteams in Nordrhein-Westfalen mit von der Partie. Andrea Nienhaus, Annette Nuy, Ursula Kepser, Anja Bermen und Beate Nuy erreichten den vierten Platz. 1982, 1985 und 1986, damals erstmals auch als Gastgeber der Westdeutschen Meisterschaften, war die DJK ebenfalls in der WTTV-Endrunde vertreten.

Neben allen Erfolgen gab es aber auch zwei Schicksalsschläge zu verkraften: Kurt Koch, engagierter Gründer der Mädchen- und Damenabteilung, verstarb am 22. April 1983 nach längerer Krankheit, der erst 21-jährige Schülerwart Helmut Hendricks kam am 11. August 1984 bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

So konnte Kurt Koch die Krönung seiner jahrelangen Aufbauarbeit, die von Hans Bermen engagiert fortgesetzt wurde, nicht mehr miterleben. Die Damenmannschaft mit Anja Bermen, Andrea Nienhaus, Barbara Kokke und Beate Nuy stieg kometenhaft auf, schaffte binnen drei Jahren den Durchmarsch von der Kreisliga bis hinauf in die Oberliga, damals dritthöchste Spielklasse, in der es allerdings in der Saison 1984/85 nur zu einem einjährigen Gastspiel reichte. Beinahe parallel dazu legte auch die erste Herrenmannschaft, die ausschließlich aus talentierten Eigengewächsen bestand, eine atemberaubende Entwicklung hin. 1985 gelang in der Besetzung Rainer Dußling, Alfred Schöning, Helmut Vehreschild, Guido Poorten, Stephan Verfürth und Frank Boterham erstmals der Sprung in die Bezirksliga, dem sich 1986 in gleicher Besetzung als Tabellenzweiter der Durchmarsch in die Landesliga anschloss. Im entscheidenden Match peitschten 150 (!) DJK-Fans die Rhenania in der Kellener Sporthalle gegen WRW Kleve II zum Aufstiegs-Triumph. Wurde im ersten Landesliga-Jahr noch hauchdünn die Aufstiegsrunde verpasst, wurde am 9. April 1988 erstmals in der Vereinsgeschichte die Landesliga-Meisterschaft und der damit verbundene Aufstieg in die Verbandsliga erreicht. Zum Team gehörten Willi van Amstel, Alfred Schöning, Rainer Dußling, Stephan Verfürth, Frank Boterham und Christoph Kepser. Insgesamt spielte die erste Herrenmannschaft von 1986 bis zum unglücklichen Abstieg 2002 16 Jahre lang ununterbrochen auf Verbandsebene, brachte es auf zehn Landesliga- und sechs Verbandsligajahre. Nach zweijähriger Abstinenz spielt die Erste wieder in der Landesliga.

 

Wenn man von der hervorragenden Nachwuchsarbeit der DJK Kleve in der Vergangenheit spricht, dann fallen zwangsläufig zwei weitere Namen: Hans Kolster und Klaus Jansen. Beide Trainer waren lange Jahre auch Kreisjugendwart und anerkannte Experten auf ihrem Gebiet. Kein Zufall also, dass mit Ismet Erkis und Nicole Möschter zwei Aktive aus dieser Ära hervor gingen, die es später bis zur Zweiten Bundesliga schafften. Mit dem „Modell Rhenania“, das Helmut Vehreschild und Klaus Jansen auf den Weg brachten, trat die DJK Kleve in Sachen Nachwuchsförderung endgültig in Nordrhein-Westfalen in die erste Reihe. Am 9. Januar 1987 wurde der Stützpunkt Schneppenbaum ins Leben gerufen, am 13. Oktober 1987 folgte die Filiale in Reichswalde. Parallel dazu gab es am 6./7. Juni 1987 in der Schneppenbaumer Zweifachhalle erstmals das Internationale Schüler- und Jugend-Pfingstturnier um den McDonald’s-Pokal, an dem sich gleich zur Premiere 200 Youngsters beteiligten.

Hatte es zuvor schon einige Jahre eine Damen-Hobbygruppe gegeben, so wurde am 1. März 1989 eine gemischte Hobbygruppe gegründet, die sich auch aus Eltern des DJK-Nachwuchses zusammen setzte und bis 2002 in der Turnhalle Reichswalde spielte, dann in die Turnhalle der Sonderschule an der Frankenstraße umgesiedelt wurde und neuerdings auch in der Realschule beheimatet ist. Die Leitung hat Eugen Holtappels

Der erste ganz große Nachwuchs-Coup gelang am 20. Mai 1990 in Minden, wo die Mädchenmannschaft in der Besetzung Nicole Möschter, Nadine Köhler, Michaela van den Hoogen und Shirley Albers erstmals Westdeutscher Meister wurde. Nach 7:7 im Finale gegen TTV Höxter und 16:16-Satzgleichstand wurden die Bälle gezählt. 551:526 lautete das Resultat, mit 25 Bällen Vorsprung ging der Titel an die Rhenania, die in der Spielzeit 1989/90 mit insgesamt 38 Teams (unter andererem acht Schüler- und 14 (!) B-Schülermannschaften) am Spielbetrieb teilgenommen hatte und somit größter Verein in Deutschland war. Die Krönung des Ganzen war dann am 9. Dezember 1990 vor über 300 Gästen im Kellener Schützenhaus die Verleihung des Grünen Bandes für vorbildliche Talentförderung im Verein durch die Dresdner Bank, eine mit 10000 Mark dotierte bundesweite Auszeichnung. Bis heute zweifellos der Höhepunkt in der über 50-jährigen Vereinsgeschichte.

Überregionale Schlagzeilen gab es auch 1992. Zum einen erreichte die Rhenania mit 738 Kindern einen bis heute gültigen bundesweiten Rekord bei den Mini-Meisterschaften, zum anderen wurde vom 12. bis 14. Juni 1992 das Bundesfinale dieser größten deutschen Breitensport-Veranstaltung anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Kleve ausgetragen. Das WDR-Fernsehen (Aktuelle Stunde) und WDR 2 (Mittagsmagazin) berichteten über dieses Ereignis. Der Länderkampf der Damen und Herren der DJK-Bundesauswahl gegen NKS Niederlande rundeten die Aktivitäten zum Stadtjubiläum ab.

Zum 40-jährigen Vereinsbestehen war die Tischtennis-Abteilung 1993 Gastgeber der Deutschen DJK-Meisterschaften für Schüler/innen-Auswahlteams. 1989 (mit Ismet Erkis, Markus Verbeet, Nicole Möschter) und 1992 (mit Kerstin Breuer) konnte der DJK-Diözesanverband Münster diesen Wettbewerb jeweils gewinnen. Außerdem wurden die Kreismeisterschaften und die Westdeutsche Pokal-Endrunde für sämtliche Nachwuchsklassen des Westdeutschen Tischtennis-Verbandes (WTTV) ausgerichtet. Die DJK-Schülerinnen wurden dabei erst im Finale gestoppt. Nina Hütten wurde Westdeutsche Mini-Meisterin und qualifizierte sich für das Bundesfinale in Postdam.

1995 sorgten Mädchen und Schülerinnen für Furore. Ulrike Queling, Eva van Eickels, Simone Hafner und Anne van Eickels wurden in St. Augustin Westdeutscher Vizemeister (Betreuerin Gerda Queling) und qualifizierten sich erstmals für die Deutschen Meisterschaften in Porz (sechster Platz in der Endabrechnung), Marion Queling und Sabine Berends wurden ebenfalls „Vize“. Den ganz großen Wurf schafften die Schülerinnen Simone Hafner, Marion Queling und Sabine Berends als Westdeutscher Pokalsieger. 1996 wurden die Mädchen erneut Westdeutscher Vizemeister und fuhren abermals zu den Deutschen Meisterschaften nach Nastätten (sechster Platz). Der Pokalsieger der Mädchen (Ulrike Queling, Simone Hafner, Eva van Eickels) hieß erstmals DJK Kleve und wurde von den RP-Lesern zur „Mannschaft des Jahres“ gewählt.

1998 wurde die Erfolgsserie eindrucksvoll fortgesetzt. Die B-Schülerinnen Anna-Lena Osterkamp, Rabea Böker und Andrea Stockbend wurden ebenso Westdeutscher Pokalsieger wie die Mädchen Tanja Kromwyk, Silke Abelen, Sabine Berends und Marion Queling (Betreuer Edmund Berends).

1999 begann die Ära von Trainer Michael Boekholt, dessen Schützlinge bis zum heutigen Tag Titel sammeln wie andere Briefmarken. Als Gastgeber wurden die Mädchen (Tanja Kromwyk, Silke Abelen, Marion Queling und Sabine Berends) Westdeutscher Meister (Platz acht bei den Deutschen Meisterschaften in Quickborn), bei den Schülerinnen-Zweierteams setzten sich sensationell Rabea Böker und Anna-Lena Osterkamp durch. Damit nicht genug: Das Schülerinnen-Viererteam wurde als WTTV-Dritter nachträglich für die Deutschen Meisterschaften in Kuchen/Baden-Württemberg nominiert (Platz acht). Die Mädchen schafften das Double und wurden auch Westdeutscher Pokalsieger.

Im Jahr 2000 verteidigten Böker/Osterkamp ihren Titel und wurden erneut Westdeutscher Meister der Schülerinnen-Zweierteams. 2001 wurden Patrycja Muc, Jana Jansen, Rabea Böker, Anna-Lena Osterkamp (Ersatz Rebecca Osterkamp und Andrea Stockbend) Westdeutscher Mädchen-Meister (Platz sechs bei den Deutschen Meisterschaften in Dingolfing) und Pokalsieger, 2002 erneut Westdeutscher Pokalsieger und Vize-Mannschaftsmeister (siebter Platz bei den Deutschen in Kellinghusen). Den größten sportlichen Erfolg verbuchten die Schülerinnen im Juni 2005. In der Besetzung Dana Vehreschild, Karina van Bebber, Lucia Jansen und Caroline Minor wurden sie Westdeutscher Vizemeister und erreichten bei den Deutschen Meisterschaften in Kreuzau den vierten Platz.